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Abschied nach 22 Jahren beim TSV

Nach 22 Jahren Schluss: Waldkirchens Kapitän Christoph Neuwirth beendet seine Karriere

Beim TSV Waldkirchen endet eine lange Ära: Kapitän Christoph Neuwirth bestreitet gegen den SV Hofkirchen sein vorerst letztes Spiel und verabschiedet sich nach 22 Jahren vom aktiven Fußball. Sein Schritt steht zugleich für den personellen Umbruch in einer jungen Mannschaft.

Christoph Neuwirth hört beim TSV Waldkirchen auf. Vor dem letzten Bezirksliga-Spiel der Saison am Samstag um 14 Uhr gegen den SV Hofkirchen wird der 28-Jährige offiziell verabschiedet. Neuwirth bestätigte seine Entscheidung der PNP. Der langjährige Abwehrchef und Kapitän beendet seine Laufbahn aus privaten Gründen, will dem Verein aber verbunden bleiben.

Ein Abschied mit Gewicht für den TSV Waldkirchen

Neuwirths Rückzug trifft den TSV an einer zentralen Stelle. Seit den D-Junioren spielt er für Waldkirchner Mannschaften, über Jahre prägt er die Defensive und übernimmt Verantwortung als Führungsspieler. Teammanager Gundolf Hain ordnet den Schritt als Teil eines größeren Prozesses ein: „Es ist der letzte Step eines Generationswechsels.“

Mit Neuwirth und Matthias Pauli verabschieden sich zwei 28-Jährige, die für den Verein weit mehr als nur Kaderspieler sind. Hain spricht von „Identifikationsfiguren“ – und die Lücke ist nicht nur sportlich, sondern auch strukturell: In einer Mannschaft, die Neuwirth selbst als extrem jung beschreibt, fehlen mit solchen Typen die Stimme auf dem Platz, die Ordnung in Druckphasen und die Routine, wenn ein Spiel kippt.

Bei Pauli kommt hinzu, dass sein Karriereende auch eine medizinische Realität widerspiegelt: Ein zweiter Kreuzbandriss bedeutet im Fußball oft Monate intensiver Reha, eine erneute Rückkehr ins Wettkampftempo ist körperlich wie mental eine enorme Hürde. Pauli spielte seit der C-Jugend beim TSV – sein Abschied ist damit ebenso ein Einschnitt in die Vereinskultur wie in die Kaderplanung.

Familie statt Fußball-Alltag: Warum Neuwirth aufhört

Der Entschluss ist nicht spontan gefallen. Neuwirth traf seine Entscheidung bereits im Winter. Ausschlaggebend ist nicht der sportliche Zustand, sondern der Wunsch nach mehr Zeit außerhalb des Platzes. Im August wird er zum zweiten Mal Vater. Schon in den vergangenen Jahren ist die Belastung aus Arbeit, Training und Familienleben für ihn spürbar gewesen – Neuwirth ist Maschinenbauingenieur.

Er beschreibt den Alltag konkret: Nach der Arbeit um 17 Uhr nach Hause kommen und eine Stunde später schon wieder zum Training aufbrechen, dazu die Rückkehr erst dann, wenn Tochter Magdalena bereits schläft. Genau daraus wächst der Wunsch nach mehr Freizeit und mehr Zeit mit der Familie. „Einfach mal was anderes machen an einem Samstag“, sagt er über einen der Beweggründe.

Leicht fällt ihm der Schritt trotzdem nicht. „Ich spiele unglaublich gerne Fußball. Der Fußball hat mich geprägt, ich habe meine besten Freunde beim Fußball gefunden und meine Trainer wie Tom Boxleitner in der Jugend haben mir wichtige Dinge für das Leben mitgegeben“, sagt Neuwirth. Sein Karriereende ist deshalb keine Abkehr vom Sport, sondern eine bewusste Lebensentscheidung. In der ersten Zeit will er Abstand gewinnen; die freie Zeit soll in erster Linie der Familie gehören – und ein bisschen Wandern ist ebenfalls geplant.

Vom Führungsspieler zum Symbol des Umbruchs

Sportlich hinterlässt Neuwirth eine klare Lücke. Hain beschreibt ihn als Spieler, der „immer sehr präsent auf dem Platz“ gewesen sei und „in der Defensive alles geordnet“ habe. Diese Rolle zieht sich durch seine Laufbahn: Schon in der Jugend trägt er häufig die Kapitänsbinde, später auch bei den Herren. Neuwirth hat in all den Jahren kaum ein Pflichtspiel verpasst – Verlässlichkeit, die in einer Saison oft mehr wert ist als jede Momentform.

Zu den prägenden Momenten seiner Zeit beim TSV zählt die Saison 2017/2018. Damals wurde Waldkirchen Vizemeister der Landesliga Mitte und spielte in der Relegation zur Bayernliga. Besonders das letzte Saisonspiel und das Entscheidungsspiel mit zweistündiger Gewitterunterbrechung sind für ihn bis heute präsent. „Wenn ich an das letzte Saisonspiel und das Entscheidungsspiel mit zweistündiger Gewitterunterbrechung denke, da läuft mir die Gänsehaut“, sagt er.

Dass sein Abschied nun mit dem Saisonfinale zusammenfällt, verstärkt die Symbolik: Der dienstälteste Spieler geht, während eine junge Mannschaft unter Coach Sven Halfar weiter zusammenwächst. Neuwirth traut dem Team einiges zu und hebt zugleich hervor, was die Verantwortlichen in Waldkirchen ohne große finanzielle Mittel aufgebaut haben.

Ganz weg ist er ohnehin nicht. „Vielleicht trainier ich mal mit, vielleicht helf ich mal aus, wenn Not am Mann ist. Außerdem habe ich gesagt, dass ich im Hintergrund gerne helfe, die Verantwortlichen können sich jederzeit rühren.“ Damit bleibt die Tür offen – für Unterstützung neben dem Platz und möglicherweise auch für vereinzelte Einsätze.

Letzter Auftritt auf dem Kunstrasen

Seine Abschiedsvorstellung gegen den bereits feststehenden Absteiger Hofkirchen findet nicht im Knaus-Tabbert-Stadion, sondern auf dem Kunstrasen statt. Der Grund ist die laufende Platzsanierung: Am Dienstag haben die Arbeiten am Rasen begonnen, damit der Platz bis Mitte Juli und zum Saisonstart wieder bespielbar ist. Anschließend soll auch der Kunstrasen noch in diesem Jahr saniert werden.

Sportlich ist die Ausgangslage klar umrissen. Das Hinspiel gewann Waldkirchen mit 3:0, nun folgt am 30. und letzten Spieltag das Wiedersehen. Für Neuwirth zählt vor allem ein sauberer Abschluss. „Ein Sieg zu null wäre natürlich toll“, sagt der Innenverteidiger. Dazu kommt ein zweiter Wunsch, der zu seiner Laufbahn passt: eine verletzungsfreie Partie. Schwerere Verletzungen blieben ihm in all den Jahren weitgehend erspart.

Neuwirths Abschied ist damit mehr als das Ende einer Spielerkarriere. Beim TSV Waldkirchen markiert er einen sichtbaren Einschnitt im Generationenwechsel – und zugleich den Abschied eines Kapitäns, der seinen Heimatverein auch künftig nicht ganz loslassen will.

Häufig gestellte Fragen

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